30.07.2010
Energienews
Kurth-Interview: 'Die Netzagentur ist ein Hort der Vernunft'
Bonn (energate) - Matthias Kurth hält eine Neuauflage der Anreizregulierung für unnötig. Die Anreizregulierung stehe einem Netzausbau auch in einer Zeit nicht entgegen, in der die Bedeutung erneuerbarer Energien zunehme und die Stromproduktion dezentraler erfolge. "Die Anreizregulierung ist hinreichend flexibel", sagte der Präsident der Regulierungsbehörde im Interview mit dem Branchenreport "energate Strommarkt".
Es sei eine Legende, dass die Netzagentur immer nur die Kosten "runter geprügelt" und sich nicht genug um Investitionen gekümmert habe. Kurth mahnte jedoch, dass man trotz der Notwendigkeit des Netzausbaus die Kosten im Auge behalten müsse: "Alle Empfehlungen dafür gehen nur in eine Richtung: Verteuerung, Verteuerung, Verteuerung." Die Leute seien beispielsweise sehr für erneuerbare Energien. Gleichzeitig müsse aber ein Zielkonflikt zwischen dem grünen Bewusstsein der Deutschen und ihrem Geldbeutel vermieden werden.
Vom Energiekonzept der Bundesregierung, das im Herbst kommen soll, erwartet sich Kurth Klarheit - nicht nur in der Frage längerer Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke. Für alle Erzeugungsarten brauche es klare Entscheidungen, so wie es sie für die erneuerbaren Energien schon gebe. Zudem dürften die 24 Projekte des Energieleitungsausbaugesetzes nicht infrage gestellt werden. Was intelligente Stromzähler betrifft, wünscht sich Kurth, dass die Politik den Rechtsrahmen der Behörde erweitert.
Die Netzagentur nannte Kurth "einen Hort der Vernunft". Die Behörde verbinde gewünschte politische Zielsetzungen wie den Ausbau erneuerbarer Energien mit vertretbaren Kosten. "Ich sehe die Netzagentur als eine Institution, die nicht gleich jedem Lobbyisten Recht gibt, der als letzter hier durch die Tür gegangen ist", sagte Kurth. Die Branche könne eigentlich ganz froh sein, dass es die Bundesnetzagentur gibt. "Wir nehmen viele Konflikte aus dem Markt", so der Behördenchef. Der Markt habe sich deutlich verändert, "ohne unser Zutun wäre das alles nicht passiert". Das vollständige Interview können Sie in der August-Ausgabe von energate Strommarkt lesen. /df
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