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Kategorie: Bildung
Das Hildegardis-Gymnasium Bochum befindet sich in einer langjährigen Sanierungsphase. Dies bietet uns die Möglichkeit, räumliche Veränderungen mit modernen pädagogischen Konzepten zu verbinden. Ein Kennzeichnen von Lehr- und Lernprozessen heute ist eine stärkere Individualisierung und Flexibilisierung des Unterrichts. Dazu bedarf es angepasster räumlicher Strukturen, aber auch entsprechendes Mobiliar und Unterrichtsmaterial sind erforderlich.
Nachdem in unserem Oberstufentrakt durch den Einbezug von Lerninseln in den Fluren und die Schaffung von Sichtachsen zwischen Fluren und Klassenräumen bereits erste Cluster entstanden sind, die bessere Möglichkeiten zu differenziertem Arbeiten bieten, steht nun der Klassentrakt für die Jahrgangsstufen 5-8 vor der Fertigstellung. Dieser sieht für die Mittelstufe ähnliche Clusterräume wie für die Oberstufe vor. Für die Erprobungsstufe werden innerhalb der Klassenräume eigene Differenzierungsbereiche mit Sichtachsen zum Hauptraum geschaffen.
Diese können zur Arbeit in Kleingruppen, zur individuellen Stärkenförderung ebenso wie zu konzentriertem Vertiefen von Lernstoff, zur Umsetzung von alternativen Prüfungsformaten, als Rückzugsraum oder als Bereich für ungestörte Gespräche genutzt werden.
Dafür brauchen wir flexibles Mobiliar, das den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht wird. Geplant sind Einzeltische und bewegungsfreundliche Hocker, die in unterschiedlichen Konstellationen für Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit gestellt werden können. Ein fahrbares Regal soll als Raumtrenner genutzt werden und Differenzierungsmaterial bereitstellen.
Darüber hinaus wünschen wir uns aber auch Mobiliar, das diesen Raum von den klassischen Unterrichtsräumen unterscheidet und seinem besonderen Nutzungskonzept Ausdruck verleiht.
Hierfür haben wir uns für Fünfeck-Sessel der Firma Einrichtwerk entschieden. Sie sind durch ihr Kunstleder nicht nur robust und pflegeleicht, sondern durch ihren Schaumstoffkern sehr bequem. Außerdem sind sie ästhetisch ansprechend. Hiermit soll dem Wohlfühlfaktor Rechnung getragen werden, der für das Lernen eine so große Rolle spielt. Zudem sind sie leicht und dadurch schnell umstellbar und können dank ihrer Form modular angeordnet werden. Im Halbkreis etwa eignen sie sich als Auditorium für kleine Gruppenpräsentationen oder Diskussionen, mit den Lehnen aneinander gestellt dienen sie als individueller Rückzugs- und Lernort, einander gegenüber positioniert sorgen sie für ein angenehmes Gesprächssetting.
Im Hauptklassenraum sollen fahrbare Tische sowie Sitzkissen in Klassenstärke, die etwa für Sitzkreise genutzt werden können, den Gedanken der Modularisierung und Flexibilisierung des Schulmobiliars fortführen.
Die neue Raumgestaltung inklusive der geplanten Möblierung dienen dazu, auch im Kopf „Wände zu verschieben“ und – in Anlehnung an das Churermodell – ausschließlich frontale Unterrichtssettings zugunsten von variablem und stärker individualisiertem Lernen aufzubrechen.
Unser Projekt verfolgt nicht nur einen pädagogischen, sondern auch einen nachhaltigen Ansatz. Dabei berücksichtigen wir die Dimensionen der Ökologie, der sozialen Nachhaltigkeit, der Ökonomie, einer nachhaltigen Lernkultur und einer langfristigen Implementierung. Die Möbel sind aus nachhaltigen Materialien gefertigt, hautverträglich und reißfest, und ihre Modularität ermöglicht eine flexible Nutzung über mehrere Schuljahre hinweg, was die Kosten für neue Anschaffungen minimiert und dadurch auch unseren ökologischen Fußabdruck. Das Projekt fördert die soziale Nachhaltigkeit, indem es ein inklusives Lernumfeld schafft, in dem alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, in ihrem eigenen Tempo zu lernen. Durch die Schaffung von Lerninseln wird auf die individuellen Stärken und Schwächen der Lernenden eingegangen. Außerdem wird die Motivation der Schülerinnen und Schüler gesteigert. Schülerinnen und Schüler lernen, ihre eigenen Lernwege zu gestalten und Verantwortung für ihren Bildungsprozess zu übernehmen. Diese Fähigkeiten sind entscheidend für ihre persönliche Entwicklung und tragen zu einer aktiven und verantwortungsbewussten sowie zukunftsorientierten Gesellschaft bei. Durch regelmäßige Evaluationen und Anpassungen wird sichergestellt, dass das Konzept kontinuierlich verbessert und an die sich verändernden Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler angepasst wird. Dies fördert nicht nur die Nachhaltigkeit des Projekts, sondern auch die Innovationsfähigkeit der Schule.