02.04.2026
Nachhaltigkeit ist für die Stadtwerke Bochum keine Modeerscheinung. Wir machen sie zur Grundlage unseres Geschäfts. Elke Temme, Geschäftsführerin der Stadtwerke Bochum, erklärt, warum die Energiewende weit mehr Chancen bietet als nur fürs Klima – und wie Bochum davon profitiert.
Energiewende, Digitalisierung, Klimaschutz: Energieversorger stehen vor großen Aufgaben. Welche Chancen ergeben sich durch diesen Wandel?
Wir tun das alles, um die Stadt grüner und lebenswerter zu machen. Das fordert uns heraus. Aber es ist auch eine Riesenchance für Bochum. Die Energiewende bringt weit mehr Vorteile als nur den fürs Klima.
Inwiefern?
Mehr erneuerbare Energie selbst zu erzeugen, bedeutet: Wir sind unabhängiger von fossilen Importen. Der Iran-Krieg zeigt gerade, wie schnell das zum Problem werden kann. Eigene Ressourcen machen uns widerstandsfähiger. Und Bochum wird lebenswerter: Wenn wir alle elektrisch fahren, werden die Straßen leiser. Digitale Netze helfen zudem, Erneuerbare effizienter zu nutzen. Das senkt am Ende auch die Kosten.
Es geht also um weit mehr als um Ökologie.
Nachhaltigkeit ist für die Stadtwerke Bochum kein separates Thema. Sie ist eine zentrale Grundlage unseres Geschäfts. Wir denken immer in drei Dimensionen: Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz müssen zusammenpassen. Ökologisch wollen wir Ressourcen schützen, Emissionen senken und Erneuerbare ausbauen. Ökonomisch müssen wir solide und zukunftsfähig wirtschaften. Und sozial bedeutet das: Was wir tun, soll fair und für alle bezahlbar sein. Das ist uns sehr wichtig. Selbst die beste grüne Lösung bringt nichts, wenn sie sich niemand leisten kann.
Mit Ihrem Zielbild 2030 haben Sie sich klare Meilensteine gesetzt. Warum ist es wichtig, konkrete Pläne zu schmieden und transparent zu machen?
Wir können den Euro nur einmal ausgeben. Also konzentrieren wir uns auf die Hebel mit der größten Wirkung. Ein klares Zielbild zeigt uns den Weg. Es hilft uns, Fortschritte verlässlich nachzuverfolgen. Bereits 2024 haben wir beschlossen: Alle Kunden bekommen nur noch Ökostrom – ohne Aufpreis. Das haben wir direkt umgesetzt. Aktuell investieren wir vor allem in grüne Wärme, intelligente Netze und digitale Infrastruktur wie Glasfaser.
Was passiert in diesen Bereichen genau?
Bei der grünen Wärme arbeiten wir eng mit der Stadt Bochum zusammen. Wir unterstützen sie bei der kommunalen Wärmeplanung: Wo lohnt sich Fernwärme? Wo sind dezentrale Heizungen wie Wärmepumpen günstiger für die Bürger? Außerdem machen wir unsere Fernwärme grüner. Ein Beispiel: Im Ölbachtal entsteht eine Großwärmepumpe. Sie leitet Wärme aus geklärtem Abwasser ins Fernwärmenetz. Bei den Netzen rüsten wir digital auf. So können wir erneuerbare Energien besser nutzen. Und mit dem Glasfaserausbau machen wir Bochum fit für die digitale Zukunft.
Motiviert die Mission, etwas für die Stadt zu bewegen, auch Ihre Mitarbeitenden?
Davon bin ich überzeugt. Das zeigt sich gerade bei sozialen Projekten: zum Beispiel bei unseren Social Days. Das sind Aktionstage, an denen Mitarbeitende lokale Institutionen wie das Tierheim oder die Tafel unterstützen. Ich bin stolz, wie viele jedes Mal mitmachen. Denn alle nehmen freiwillig teil. Genau das zeigt, wie sehr die Menschen dahinterstehen.
Wie begeistern Sie als Energieversorger nicht nur Ihre Mitarbeitenden, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger für nachhaltiges Handeln?
Wir sind Vorbild und wir schaffen Projekte zum Mitmachen: Mit unseren Bürger- und Zukunftsprojekten fördern wir Vereine, Schulen und soziale Initiativen. Wir stellen unseren Fuhrpark auf Stromer um und begrünen unsere Dächer – um nur einige Beispiele zu nennen. Wir schreiben niemandem vor, wie er oder sie zu leben hat. Das möchte ich selbst auch nicht. Aber wir zeigen gerne, wie es gehen kann. Und wir unterstützen alle, die mitmachen möchten.
Manche sagen: Als Einzelperson kann ich eh nichts bewegen…
Die Ukraine-Krise hat das Gegenteil bewiesen. Als Gas knapp wurde, haben wir alle gebeten, ein bisschen zu sparen. Das hat viel bewirkt. Wenn viele Einzelne zusammenarbeiten, entsteht ein echter Hebel. Das ist nicht zu unterschätzen.
Was tut Elke Temme denn privat für mehr Nachhaltigkeit?
Viele kleine Dinge: Ich verzichte beim Einkauf auf Plastiktüten und esse mehr vegetarisch. Ich gehe kurze Wege zu Fuß, längere Strecken fahre ich mit dem Elektroauto. Auch privat möchte ich ein Vorbild sein. Und ich möchte meinen Kindern die Welt ein bisschen besser hinterlassen, als ich sie vorgefunden habe.
Wie könnte diese Welt in zehn bis zwanzig Jahren aussehen?
Für Bochum wünsche ich mir: ein komplett grünes Wärmenetz, Straßen ohne Motorenlärm und ein ausgebautes Stromnetz, das Wärmepumpen, Ladestationen für E-Autos und Co. sicher versorgt. Ich wünsche mir, dass Energie für alle bezahlbar ist. Eine Stadt, die insgesamt lebenswerter ist. Und natürlich: dass wir alle weiterhin Bock auf Bochum haben.
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