07.08.2026
Dank verbesserter Technik punkten Wärmepumpen heute auch dort, wo sie lange als Herausforderung galten: in Mehrfamilienhäusern und größeren Bestandsgebäuden. Welche Lösungen in Frage kommen, erläutert Gregor Hoffmann vom Fachverband Sanitär Heizung Klima NRW.
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Er spielt eine Schlüsselrolle in der Wärmewende. Doch bis heute besteht im Gebäudebestand großer Handlungsbedarf: Laut dena-Gebäudereport 2025 werden in Wohnhäusern rund zwei Drittel der Energie für Heizen und Warmwasser immer noch mit Öl und Gas erzeugt.
Gerade in Mehrfamilienhäusern war das Einbinden von klimafreundlichen Heizungen wie Wärmepumpen lange anspruchsvoll. Inzwischen hat sich aber einiges getan. Für Bestandsgebäude stehen heute zahlreiche Lösungen zur Verfügung: von zentralen Wärmepumpensystemen für das gesamte Gebäude bis hin zu dezentralen Geräten für einzelne Wohnungen.
Welche Heizlösung für welches Gebäude? Gregor Hoffmann vom Fachverband Sanitär Heizung Klima NRW gibt Tipps.
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Auch die Möglichkeiten, wie sie sich einsetzen lassen, sind vielfältiger geworden: Wärmepumpenkaskaden, zentrale Anlagen mit dezentralen Wohnungsstationen oder hybride Lösungen ermöglichen es, die Technik an die jeweiligen Anforderungen eines Gebäudes anzupassen. Gregor Hoffmann, kommissarischer technischer Leiter des Fachverbandes Sanitär Heizung Klima NRW (SHK NRW), stellt die Konzepte vor.
Herr Hoffmann, Wärmepumpen lassen sich in Mehrfamilienhäusern heute auf ganz unterschiedliche Weise einbinden. Eines der Konzepte ist die Wärmepumpenkaskade, bei der statt eines großen Geräts einige kleine flexibel zusammenarbeiten. Für welche Gebäude ist diese Lösung besonders geeignet?
Gregor Hoffmann: Grundsätzlich ist die Kaskade eine sehr gute Lösung, besonders für größere Mehrfamilienhäuser. Mehrere Wärmpumpen können den tatsächlichen Bedarf oft effizienter abdecken als ein großes Gerät. An kalten Wintertagen arbeiten zum Beispiel sämtliche Pumpen zusammen, damit ausreichend Wärme für alle Bewohner zur Verfügung steht. In milden Phasen sind bloß einige davon aktiv und erzeugen so nur die Leistung, die wirklich benötigt wird. Eine einzelne große Wärmepumpe müsste stattdessen durchlaufen und wäre dadurch oft ineffizient.
Ein weiterer Ansatz nutzt eine zentrale Wärmepumpe mit dezentralen Wohnungs-stationen. Wie bewerten Sie diese Technik?
Gregor Hoffmann: Bei Mehrparteienhäusern ist dies eine gängige und effiziente Praxislösung. Eine große Wärmepumpe erzeugt hier die Wärme und leitet sie über Rohrleitungen in jede Wohnung. Dort regelt eine Wohnungsstation die Verteilung in die Räume. Mittels des eingebauten Wärmtauschers übernimmt sie zudem die dezentrale Warmwasserbereitung in jeder Wohnung. Aber die Station ersetzt herkömmliche Gas-Etagengeräte nicht nur funktional: Oft hat sie auch die gleiche Größe, sodass sie sich ohne großen Aufwand einbauen lässt.
Bleiben auch die Vorteile früherer Gasetagenheizungen erhalten?
Gregor Hoffmann: Ja. Für jede Wohnung können die Kosten für Heizung und Warmwasser separat abgerechnet werden. Gleichzeitig reduziert die dezentrale Warmwasserbereitung typische Risiken zentraler Warmwassersysteme wie Legionellenbildung. Das Prinzip der Gasetagenheizung bleibt somit erhalten.
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Welche Rolle spielen beim Heizungstausch Hybridsysteme aus Wärmepumpe und Gas- oder Ölbrennwertgerät?
Gregor Hoffmann: Sie können vor allem bei Altbauten oder Mehrfamilienhäusern, die hohe Vorlauftemperaturen brauchen, eine gute Lösung sein. Bei Kälte kann eine Wärmepumpe diese Temperaturen manchmal nicht wirtschaftlich liefern. Das fossil betriebene Brennwertgerät setzt bei Bedarf die nötige Temperatur obendrauf, übernimmt aber nicht den Normalbetrieb. Hier deckt die Wärmepumpe in milderen Phasen den Hauptteil der Heizlast. Dadurch kann der Austausch kleiner Heizkörper reduziert oder vermieden werden. Das senkt natürlich Kosten, ist aber energetisch nicht automatisch optimal.
Gibt es eine pauschale Empfehlung, welche Lösung sich für welches Gebäude eignet?
Gregor Hoffmann: Alle drei Lösungen sind keine konkurrierenden Patentrezepte, sondern Antworten auf unterschiedliche technische Engpässe im Mehrfamilienhaus. Die Kaskade löst das Teillast- und Leistungsproblem in großen Gebäuden. Die Wohnungsstation löst das Verteilungs-, Hygiene- und Abrechnungsproblem im Mehrparteienhaus. Das Hybridsystem löst das Temperaturproblem unsanierter oder baulich schwieriger Häuser. Hier müssen Fachleute individuell sorgfältig schauen, was jeweils passt.
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